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Virtuelle Semiose. Ein Phänomen der Bildsuchmaschine

THE ART MUSEUM IN THE DIGITAL AGE

Section 4: Visualisations

https://www.belvedere.at/digitalmuseum2019

Unter virtuellen Semiose, die als Begriff zum ersten Mal von Max Bense verwendet wurde (M. Bense: Semiotische Prozesse und Systeme, 1975), ist eine Summe von Prozessen zu verstehen, die zu Visualisierungen führen, die im konkreten Parameter den Anforderungen des jeweiligen Browserprogramms entsprechen. Bildsemiotik ermöglicht, dank methodisch ausgeprägtem Instrumentarium, die Entstehungsprozesse und die Temporär-ergebnisse des dynamisch entwickelnden und interaktiv agierenden Bildes im Netz zu beschreiben und theoretisch zu erfassen. Von der Ikonizität und deren Analogienprinzipien der Algorithmen in den Internetprogrammen, bis zur Superzeichenbildung an der Bildschirmoberfläche beim Suchergebnis des gewünschten Bildes, ist jeder User der digitalen online Medien stets mit einer typologisch neuen Art von Semiose konfrontiert. Ein unbegrenztes Modell des Zeichenkodierens, mit der Voraussetzung einer kontinuierlichen Aktualisierung, bringt aber Probleme mit sich, an welche die digitale Bildwissenschaft hinweisen muss. Das was wir als Nutzer als Ergebnis einer Bildsuche in einer Suchmaschine im Internet akzeptieren ist nie auf eine solitäre bzw. isolierte Datei beschränkt, sondern wird in der Regel in einer Bildmenge präsentiert. Auch wenn wir uns scheinbar nur auf ein beabsichtigtes, konkretes Ziel konzentrieren, bietet diese Menge Alternativen an, die zwar für unser Bedarf im ersten Moment als irrelevant erscheinen, im späteren Interpretationsverfahren aber die Kontextualisierung des Bildes wesentlich beeinflussen. Zusätzlich werden anhand von personalisierter Datenbearbeitung Inhalte individuell den eigenen Präferenzen untergestellt, die sich auf die Vorgeschichte eines jeden Suchaktes orientieren. Institutionen, die ihre Inhalte in offener Internetplattform kommunizieren wollen, bleiben von den akuten Gefahren der Bildmanipulation und Devalvation des Aussagewertes einer Darstellung auch nicht verschont. Modell der virtuellen Semiose veranschaulicht diesbezüglich, welche Risiken bei welchen Funktionen und Visualisierungsstrategien entstehen und warum.

https://www.belvedere.at/sites/default/files/2022-01/Abstracts_2019.pdf